Workshop:Which way out im Zeitalter der Prekarisierung?
Ernst Lohoff (Redaktion krisis)

In seiner Einschätzung der Wertkritik ist sich der linke Volksmund weitgehend einig: Kapitalismusanalytisch mag der Ansatz manch interessante Einsicht liefern, für einen Bezug auf die realen gesellschaftlichen Konflikte sei die Kritik der warengesellschaftlichen Basisformen jedoch viel zu esoterisch; emanzipatorische Praxis setze die Rückbesinnung auf den Klassenkampf voraus. Jedoch: das Gegenteil ist richtig. Neo-Klassenkonstrukte wie die „Multitude“ taugen nur zur religiösen Erbauung. Sie sind metaphysisch und esoterisch im schlechtesten Sinne des Wortes. Erst die kategoriale Infragestellung von Arbeit, Warenproduktion und Politik ermöglicht eine emanzipative Konfliktformulierung, die den Bedingungen eines von Deklassierung, Prekarisierung und repressiver Entgesellschaftung gekennzeichneten globalen Krisenkapitalismus gerecht wird.