„Einführung (Post-)Operaismus“ / Robert Foltin (Grundrisse)

Im Gegensatz zu den kritischen KritikerInnen sind der Operaismus und der Postoperaismus
mit den Klassenkämpfen und den sozialen Bewegungen verbunden. Es sind nicht die inneren
Widersprüche, die den Kapitalismus vorantreiben, sondern die Kämpfe und
Auseinandersetzungen: Maschinen werden gegen die ArbeiterInnen eingesetzt, wenn und weil
sie hohe Löhne erkämpft haben. Sah der Operaismus nur die ArbeiterInnenklasse, so analysiert der
Postoperaismus die ganze Gesellschaft als produktiv. Als Schwerpunkte sollen Konzepte dargestellt werden,
die mit dem alltäglichen Leben und den aktuellen Kämpfen zu tun haben, also weniger die Souveränitäts- und
Herrschaftsformen (etwa des Empire). Reelle Subsumption des Lebens unter das Kapital: Immer weitere Bereiche
des Lebens werden durch den Kapitalismus organisiert, durch das Verschwimmen zwischen Lohnarbeit und
Nichtlohnarbeit erfolgt die Vergesellschaftung immer weniger nur in der Fabrik, sondern die ganze Gesellschaft
wird kapitalistisch organisiert (womit der Begriff „bürgerliche Gesellschaft“ überflüssig wird, weil es keinen Unterschied
mehr zwischen „Basis und „Überbau“ gibt). Eine revolutionäre Entwicklung kann nur in der und gegen die kapitalistische
Organisation stattfinden, die allerdings alle Lebensbereiche durchzieht.
Konzepte der Multitude (überschneiden und ergänzen sich):

Multitude ist:
(1) die Vielfalt und Unterschiedlichkeit, die sich nicht unter eine vereinheitlichende Repräsentation bringen lässt,
(2) das alltägliche Leben, die Kommunikation und die Beziehungen, darum auch nicht per se emanzipatorisch (Beispiele: Rassismus, Sexismus),
(3) ein Klassenkonzept, sie bildet sich in Kämpfen und zwar nicht nur in den Klassenkämpfen der ArbeiterInnenklasse, sondern in der Vielzahl der Bewegungen um Produktion, Reproduktion, Wissen, Kultur, Sexualität, Körper etc,
(4) spätestens mit den Bewegungen 1968 und danach wird sie wieder geschichtsmächtig, historisch wurde sie von Volk und Nationalstaat überformt, unsichtbar gemacht,
(5) die Bewegung der Bewegungen, nicht mehr dominiert von Vereinheitlichung, sondern durch die Unterschiedlichkeiten der Positionen und Aktionsformen.